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Brokeback Mountain

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Drama

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SchwachPerfekt 
Filmkritik Brokeback Mountain www.cine-kritik.deWyoming 1963.

Der Rancher Ennis del Mar (Heath Ledger) und der Rodeoreiter Jack Twist (Jake Gyllenhaal) werden auf Brokeback Mountain angeheuert, den Sommer über eine Herde Schafe vor Wilderern und Raubtieren zu schützen.

In der harten und rauen Einsamkeit der Berge entwickelt sich zwischen den beiden bald mehr als bloße Kameradschaft - sie verlieben sich ineinander. Doch angesichts der engstirnigen Moralvorstellungen in der konservativen US-Provinz bleiben Ennis und Jack nur getrennte Wege.
Die beiden heiraten, gründen Familien - und kommen doch nicht voneinander los.

Über viele Jahre hinweg können sie ihren Gefühlen nur heimlich freien Lauf lassen - weit draußen in den Bergen. Bis Jack einen letzten verzweifelten Versuch unternimmt, für ihre gemeinsame Zukunft zu kämpfen...

Genre: Drama/Romance
Laufzeit: 105 Min.
FSK: 12 Jahre


KRITIK von Lindener (amazon.de)

Selten hat mich ein Film so nachhaltig getroffen, wie dieser. Ich dachte, ich wäre vorbereitet. Lange bevor der Film bei uns in die Kinos kam, hatte ich schon die Kurzgeschichte von Annie Proulx gelesen, die ich übrigens sehr empfehlen kann. Wenn es geht, sollte man sie auf Englisch lesen. Sie wurde hier zwar fast eins zu eins adaptiert, aber sie "fühlt" sich doch ganz anders an. Es hat nichts genutzt: Meine Tränen konnte ich kaum unterdrücken. Während des Films fühlt man zwar hauptsächlich mit den beiden Jungs UND deren Frauen mit, aber danach fängt man unwillkürlich an, über sein eigenes, bisheriges Leben nachzudenken. Über die Entscheidungen, die man getroffen hat oder eher, die man aus Feigheit nicht getroffen hat. Die Figuren wirken so real, unverstellt und ungekünstelt. Alle Figuren, auch die der Frauen, werden tief ausgeleuchtet. Was die Geschichte so sympatisch macht, sind die vielschichtigen und widersprüchlichen Charaktere. Hier gibt es kein Schwarz-Weiß-Denken. Man wünscht den beiden Männern zwar, dass sie zueinander finden, aber der Film scheut nicht davor zurück, die Verletzungen, die sie ihren Frauen antun,
eindrücklich darzustellen. Der Film strotzt vor unglaublich dichten und intensiven Szenen, die eher an Theater als an Film erinnern, vor allem im letzten Drittel. Alle Darsteller sind überirdisch. Mal Kammerspiel, dann wieder große Bühne. Ich nenne da z.B die erste Begegnung von Ennis und Jack auf dem Parkplatz, in der kein Wort gesprochen wird. Deren letzte Begegnung, bei der sich die Rockies wie eine riesige Bühnenkulisse dramatisch im Hintergrund auftürmen. Die Szene in der Küche, in der Alma Ennis zur Rede stellt und ihm klar wird, dass sie alles wusste. Den Besuch bei Jacks Eltern und besonders die "Hemdenszene", bei der dem Zuschauer endgültig die Schraubzwinge um das Herz gelegt wird und viele andere. Die Kamera hält auf die Gesichter, ein Entkommen ist nicht möglich. Nicht viel wird gesagt, aber was gesagt wird, wiegt oft tonnenschwer. Nicht umsonst sind Zitate aus dem Film schon zu geflügelten Worten geworden. Den Rest besorgt das Spiel und die Mimik der Darsteller.

Beginnt Brokeback Mountain noch schwerelos und leicht, entwickelt sich recht schnell eine Dynamik, wie in einer griechischen Tragödie. Die Beziehung zwischen den beiden Männern reisst nicht nur sie selbst, sondern auch alle in ihrer Umgebung in den emotionalen Abgrund. Langsam, aber unaufhaltsam. Alle wissen es, aber keiner kann dagegen an. Die Berge sind stumme, kalte Zeugen. Vieles bleibt offen und liefert Anlass für Diskussionen und Interpretationen, wie im wahren Leben auch: Wie starb Jack? Was wussten seine Eltern von ihrem Verhältnis? Was will Ennis mit: "Jack, ich schwörs Dir!" sagen? Und gerade das macht diesen Film zu etwas Besonderem. Es wird nichts vorgekaut und man kann soviel aus der Geschichte herausholen, wie man selbst mit einbringt.

Brokeback Mountain ist natürlich nicht der erste Film, der sich mit schwulen Themen beschäftigt. Trotzdem ist er ein Novum. Eine schwule Beziehungsgeschichte hat es noch nie vorher auf die große Leinwand außerhalb der Programmkinos geschafft. Und sie ist es wert, erzählt zu werden. Macht sie es auch dem heterosexuellen Zuschauer erfahrbar, was es heißt, nur im Verborgenen ("in the closet") seine Liebe auszuleben zu können und was der Grund dafür ist: Homophobie, einmal seitens der Umgebung (im Film ja selten direkt sichtbar) , zum anderen aber vor allem die der Betroffenen selbst, verinnerlicht seit frühester Kindheit. Und diese verinnerlichte Homophobie ist es, die es Ennis unmöglich macht, die Liebe, die er für Jack empfindet, wirklich zuzulassen. Und das unterscheidet diese (schwule) Liebesgeschichte eben doch von allen anderen. Es erfordert Mut und eben eventuell die Bereitschaft, mit seinem gesamten vorherigen Leben und den Menschen, die einem wichtig sind, zu brechen. Das kann nicht jeder. Schon garnicht jemand, der von der Welt jenseits der Berge keinerlei Vorstellung hat. Liebe überwindet eben doch nicht sämtliche Schranken.

Und Brokeback Mountain ist auch ganz großes Hollywood-Kino: sexy Darsteller (wer wollte mit Jake Gyllenhaal nicht rumknutschen?), grandiose Bilder in brillianten, kühlen Farben und ein wunderbarer, melancholischer Score. Man sollte einen gewissen Sinn für romantische Geschichten mitbringen. Hier geht es zwar um die deutsche Fassung, aber eins kann ich sagen, dass Brokeback Mountain um Lichtjahre besser in der Originalfassung ist. Aber die ist bei der deutschen Ausgabe ja eh drauf. Die deutschen Stimmen sind einfach zu glatt. Und z.B. Ennis berühmter Satz: "If You cant fix it, You gotta stand it" ist mit "Wenn du es nicht ändern kannst, dann musst Du eben damit leben", nicht nur falsch übersetzt, (mit etwas zu leben ist etwas anderes, als es auszuhalten), sondern wird in der deutschen Fassung auch ganz anders betont. Und das Vibrieren in Jacks Stimme, wenn er Ennis ein gemeinsames Leben auf einer eigenen Ranch vorschlägt, ist allein schon herzzerreissend. Und dass die beiden Männer ziemlich ungebildet und einfach sind, zeigt sich auch am Slang und falscher Grammatik. Sowas müsste man im Deutschen doch auch hinbekommen. Der Film sei zu lang? Ich fand das nicht. Ang Lee braucht diese Zeit, um den Zuschauer soweit wie möglich mit den Charakteren emotional zu verbinden. Erst so entfaltet der Schluss seine herzbrecherische Wirkung. Man sollte sich Zeit nehmen, dafür sorgen, dass man nicht gestört wird. Man mache es sich bequem und begebe sich auf eine kleine Reise in die Berge. Die kann aber Folgen haben.....

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